Regionalpresse Prignitz am 19. März 2003

Der Prignitzer

Am "Tag X" miteinander sein

Weitere Proteste und Kundgebungen folgen

Wittenberge "Wann ist der Tag X, erst wenn Blut fließt?" Initiatorinnen des "Prignitzer Appells" und der Friedensgruppe in der evangelischen Kirche hatten die Frage gestern für sich entschieden und zu spontanem Protest aufgerufen, der sich offensichtlich herumgesprochen und auf ein vielfaches Bedürfnis getroffen war, sich an diesem Tag mit Kerzen gegen den Krieg zusammenzufinden.

Mehr als sonst bei den Friedensgebeten versammelten sich am Stern, teilten die Betroffenheit über das scheinbar nicht Abzuwendende, viele Kinder dabei, die Plakate geschrieben und Friedenstauben gebastelt hatten. Frauen und Männer redeten sich ihre Sorgen von der Seele, ein kleiner Junge sang das Lied von der kleinen weißen Friedenstaube, Carmen Runge hatte ihre Gedanken "Am Abend vor dem Krieg" in ein Gedicht gelegt.

Am Tag X, wenn die ersten Bomben fallen, wird man um 18 Uhr wieder zusammenkommen. Zuvor oder danach - wer weiß das schon? - ruft der "Prignitzer Appell" zu Donnerstag um 19 Uhr zu einer Kundgebung gegen den Krieg vor dem Kulturhaus auf. Und am Freitag trifft man sich wieder zum Friedensgebet. R.D.

Mehr Menschen als bei den bisherigen Friedensgebeten hatten gestern "Am Abend vor dem Krieg", das Bedürfnis, miteinander zu sein.

 

 

 

Sorgen wegen des drohenden Irak-Kriegs

Furcht vor Terror in Westeuropa und Nachdenken über wirtschaftliche Konsequenzen

Reaktionen

Prignitz Mit dem Ultimatum des amerikanischen Präsidenten George W. Bush an den irakischen Diktator Saddam Hussein wächst auch in der Prignitz die Sorge vor einem Irak-Krieg und seinen Folgen. Furcht vor neuem Terror auf der einen Seite, Nachdenken über wirtschaftliche Konsequenzen auf der anderen Seite bewegen die Prignitzer in unserer Umfrage.

Derweil fordert Manfred Tiede, Sprecher des "Prignitzer Appells", den Bundeskanzler Gerhard Schröder auf, Überflugrechte für kriegerische Missionen in Deutschland zu verweigern. Auch sollten deutsche Einheiten sofort aus der Krisenregion abziehen, heißt es weiter in dem Schreiben. M.B.

Peter Awe (37), Bad Wilsnack

Ich befürchte, dass nach einem Krieg Anschläge wie am 11. September 2001 in mehreren westeuropäischen Städten stattfinden könnten, und zwar nicht nur mit Flugzeugangriffen, sondern auch mit chemischen und biologischen Waffen. Vor dem Terror insgesamt habe ich eine diffuse Furcht. Jedenfalls würde ich mir zukünftig überlegen, wo ich hinfliegen werde. Ich bin absolut gegen den Krieg und finde die Politik der USA völlig unverantwortlich.

Bernd Altenburg (39), Perleberg

Selbst wenn Deutschland nicht beim Krieg mitmacht, und ich denke, Schröder bleibt bei seinem Nein, finanziell werden wir es spüren. Die Amerikaner und die Engländer werden sich in Afghanistan nicht mehr so engagieren, Deutschland ist NATO-Partner, wird die zusätzlichen Lasten übernehmen müssen. Das müssen wir dann alle bezahlen. Einschnitte wird es geben.

Und das alles, weil die USA an das Öl im Irak wollen.

Gabi Päpke (35), Pritzwalk

Ich halte von einem Krieg gegen den Irak gar nichts. Der Einzige, der diesen Krieg scheinbar unbedingt will, ist Herr Bush. Wahrscheinlich will er nur sein eigenes Begehren nach einem Krieg stillen. Die Menschen, die er damit umbringt, sind ihm offensichtlich egal. Er selbst hat noch nie einen Krieg erlebt und auch Amerika nicht. Ich finde es grausam, dass nur wegen der Machtdemonstration viele Familien, Frauen und Kinder sterben müssen.

Karsten Puls (35), Wittenberge

Es ist schon schlimm, was Bush macht. Ich denke, der Krieg wird kommen. Persönlich habe ich keine Angst. Der Erdölpreis wird vielleicht steigen, aber sonst wird es wohl keine Auswirkungen geben, die wir spüren. Wenn ich sehe, was sich im Großen abspielt, drängen sich mir Parallelen zu DDR-Zeiten auf. Wir mussten machen, was die Russen wollten. Heute sollen wir machen, was die USA wollen. Hoffentlich bleibt Deutschland beim Nein.

 

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