Presse am 21. März 2003

Berliner Morgenpost

Landesweit Proteste gegen Irak-Krieg

Potsdam - Bundesweit 38 000 Menschen haben den so genannten "Prignitzer Appell" gegen den Irak-Krieg unterzeichnet, einen Appell, der im Dezember 2002 von 38 Kommunalpolitikern aller Fraktionen des Prignitzer Kreistages gestartet worden war. Und mehrere tausend Brandenburger sind auch gestern auf die Straße gegangen, um gegen den Krieg zu demonstrieren. Rund 1000, darunter Ministerpräsident Matthias Platzeck, Bildungsminister Steffen Reiche und Oberbürgermeister Jann Jakobs (alle SPD), waren es am Abend in Potsdam. Aufgerufen zur Kundgebung hatte die Friedenskoordination Potsdam, unter anderem unterstützt von der evangelischen Kirche Potsdam. Deren Vize-Superintendent Frank Schürer-Behrmann wehrte sich gegen Unterstellungen, Antikriegsgegner verniedlichten das Saddam-Regime: "Auch ich wünsche mir, dass der Gewaltherrscher Saddam Hussein abgelöst wird." Ministerpräsident Platzeck sagte, dieser Krieg werde die Probleme der Welt nicht lösen, sondern verschärfen. Eine Weltordnung sei nicht zu akzeptieren, in der einer ansage und alle folgten. Die Völkergemeinschaft dürfe angesichts der aktuellen Lage und Ohnmacht nicht resignieren. "Beten Sie mit uns, dass dieser Krieg so schnell wie möglich beendet wird."

Bereits am Vormittag waren 3000 Jugendliche gegen den Krieg durch die Potsdamer Innenstadt gezogen. Weitere Demos mit 2000 Teilnehmern fanden in mehr als 16 Kommunen des Landes Brandenburg statt. Eine Menschenkette für den Frieden bildeten rund 500 Menschen über die Oderbrücke von Frankfurt (O.) ins polnische Slubice. Frankfurts Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) sprach von einer Ohnmacht: "Wir haben es nicht geschafft, diesen Krieg zu verhindern."

schoe

Märkische Allgemeine

Der "Tag X" in Berlin
Mehr als 100 000 Menschen protestierten auf rund 30 Veranstaltungen gegen den Krieg


STEPHAN LAUDE

BERLIN
In Berlin fand die erste Demonstration gegen den Angriff auf den Irak bereits gestern früh um drei Uhr statt. Etwa 40 Menschen versammelten sich auf der Schönhauser Allee. Bis zum Abend gingen mindestens 100.000 Menschen in der Hauptstadt auf die Straße.

Morgens um acht stand Malte Starostika fast allein an der US-Botschaft. Nur ein paar Journalisten waren noch da und natürlich Polizeibeamte. Doch wenig später war die Straße Unter den Linden voller Menschen. 50 000 Schüler, schätzte die Polizei, waren es, die sich vom Alexanderplatz auf den Weg zur Botschaft machten, darunter auch Brandenburger. Die Berliner Schulverwaltung hatte die Teilnahme an den Demonstrationen gegen den Krieg freigestellt.

Das Bildungsministerium in Potsdam hatte die Schüler hingegen aufgerufen, erst nach dem Unterricht zu Demonstrationen zu gehen, weil die Schule eine Aufsichtspflicht habe und Schüler bei unentschuldigtem Fehlen nicht versichert seien. Bei der Teilnahme an einer Demonstration während der Schulzeit müssten Brandenburger Schüler die versäumten Stunden auf jeden Fall nachholen. "Der Unterricht muss abgesichert werden", sagte Ministeriumssprecher Martin Gorholt.

Viele Demonstrationsteilnehmer hatten Trillerpfeifen dabei, einige auch Trommeln. Auf zahlreichen Transparenten stand "No War" (Kein Krieg), auf anderen wurde mit dem Namen des US-Präsidenten gespielt: "The World needs Trees, no Bushs" - Die Welt braucht Bäume, keine Bushs (beziehungsweise Büsche). Schülerinnen des Oranienburger Runge-Gymnasiums zitierten auf ihrem Transparent den kubanischen Revolutionär Ché Guevara: "Seien wir realistisch und versuchen das Unmögliche." Auf einigen Schildern wurde der amerikanische Präsident mit Hitler verglichen. Jungen im Stimmbruch-Alter skandierten "USA nimmermehr". Unweit der US-Botschaft legen sich mit roter Farbe bemalte Schüler als symbolische Kriegsopfer auf die Straße.

Dass die Schüler sich am "Tag X" um 11 Uhr zur Demonstration auf dem Alexanderplatz treffen werden, war abgemacht. Aber es gab noch weitere Protestkundgebungen. Die Verkehrsdurchsagen im Radio machten ständig auf die Sperrung der Wilhelmstraße, wo sich die Britische Botschaft befindet, aufmerksam, dabei steckte der Verkehr längst in der gesamten Innenstadt - von Prenzlauer Berg bis zum Bahnhof Zoo - im Stau.

Am Abend versammelten sich erneut weit mehr als 40 000 Menschen auf dem Alexanderplatz. Viele trugen Ballons und Transparente bei sich, auch vereinzelte irakische Fahnen wurden geschwenkt. "Bush nach Den Haag" sowie "Saddam, geh' in Rente und nimm George gleich mit", lauteten einige der Forderungen.

In Kreuzberg formierte sich ein Protestzug mit rund 800 jugendlichen Teilnehmern sowie eine Demonstration von Kurden. In Berlin lebende Amerikaner protestierten unter dem Motto "Americans in Berlin against the War" vor der US-Mission. Die beiden großen christlichen Kirchen luden zu einem ökumenischen "Bittgottesdienst für den Frieden" in den Berliner Dom ein. Insgesamt zählte die Polizei in der Hauptstadt rund 30 Protestveranstaltungen.

Die PDS in Berlin und Brandenburg forderte gestern Abend auf einem Sonderparteitag ein sofortiges Ende des Krieges gegen den Irak und eine Verurteilung der USA als Aggressor vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Der Krieg sei "Massenmord an unschuldigen Kindern, Frauen und Männern", hieß es in einer Erklärung.

Glocken läuten gegen den Krieg
Auch in zahlreichen Städten und Gemeinden des Landes Brandenburg gab es gestern Demonstrationen und Aktionen gegen den Irak-Krieg. In Caputh (Potsdam-Mittelmark) läuteten die Kirchenglocken. Pfarrer Hans-Georg Baaske kündigte an, dass die Glocken - bis der Krieg vorbei ist - jeden Montag ab 17 Uhr geläutet werden sollen.

Mit Andachten und Schweigeminuten begann für Neuruppiner Schüler der erste Tag des Krieges. 1028 Papierkraniche, ursprünglich von Bürgern des Kreises Ostprignitz-Ruppin für den Ostermarsch gefaltet, wurden der Bürgerinitiative "Freie Heide" übergeben.

300 Einwohner von Luckenwalde (Teltow-Fläming) versammelten sich am Abend im Zentrum der Stadt und zogen zu einem Friedensgebet zur Johanniskirche.

"Frieden schaffen ohne Waffen!", hieß eine der Losungen des Protestzuges, der rund 450 Menschen in Brandenburg/Havel vereinte. "Das Unfassbare ist eingetreten. Jetzt fordern wir, dass dieser Krieg unverzüglich eingestellt wird", erklärte Bürgermeister Norbert Langerwisch (SPD) auf einer Kundgebung.

600 Mädchen und Jungen aus Perleberger Schulen zogen durch die Prignitzer Kreisstadt. "Kein Blut für Öl", hieß es auf Plakaten. Am Abend fand eine Kundgebung in Wittenberge statt, zu der die Initiative "Prignitzer Appell" aufgerufen hatte. Die Initiative hat 36 000 Unterschriften gegen den Krieg gesammelt.

Der Bürgermeister von Falkensee (Havelland), Jürgen Bigalke (SPD), hatte alle Verwaltungsmitarbeiter für die Anti-Kriegs-Demonstration in Berlin beurlaubt.

In Frankfurt (Oder) bildeten rund 1000 Demonstranten, darunter Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU), eine grenzüberschreitende Menschenkette. lan


Freitag, 21. März 2003

38 000 Mal Nein zum Krieg

WITTENBERGE. 38 Erstunterzeichner gehörten Anfang Dezember zur Friedensinitiative "Prignitzer Appell". Mittlerweile ist die Zahl der Kriegsgegner auf das Tausendfache gestiegen. "38 000 Menschen haben sich mit ihrer Unterschrift gegen einen Irak-Krieg ausgesprochen", sagt der Sprecher der Initiative, Hartmut Winkelmann. Und die stammten schon längst nicht mehr nur aus Wittenberge, Pritzwalk oder Perleberg. Rund 2 000 Kommunalpolitiker aus allen Bundesländern und von allen demokratischen Parteien hätten sich dem Prignitzer Nein gegen einen Krieg angeschlossen. "Das Nein beinhaltet auch die Verweigerung von Überflugrechten", sagt Winkelmann. Die 38 000 Unterschriften sollen nun im Bundeskanzleramt überreicht werden. "Sollten wir keinen offiziellen Termin bekommen, dann planen wir eine spektakuläre Übergabeaktion", sagt der Initiativen-Sprecher. Der "Prignitzer Appell" werde auch in Zukunft zu Anti-Kriegs-Demos aufrufen. (kbi.)

Unterschriftenliste und Infos unter www.prignitzer-appell.de

Lausitzer Rundschau

38 000 Unterschriften für „Prignitzer Appell“
Kommunalpolitik gegen deutsche Kriegsbeteiligung
 
Den so genannten Prignitzer Appell gegen den Irak-Krieg haben bislang 38 000 Menschen bundesweit unterzeichnet.
 
„Darunter sind mehr als 2000 Kommunalpolitiker aller demokratischer Parteien aus allen Bundesländern“, sagte der Sprecher der Initiative, Hartmut Winkelmann, gestern in Pritzwalk (Prignitz). Der Appell, der sich vor allem gegen eine deutsche Beteiligung am Krieg wendet, war im Dezember 2002 von 38 Kommunalpolitikern aller Fraktionen des Prignitzer Kreistages gestartet worden.
„Wir als Kommunalpolitiker wollten nicht nur Zaungäste der großen Politik sein“, sagte Winkelmann. Umsonst sei der Appell trotz des Kriegsbeginns nicht gewesen. Dadurch seien Netzwerke entstanden, die auch zur Lösung der wirtschaftlich schwierigen Lage vor Ort genutzt werden könnten, betonte der Sprecher. Die Unterschriftenliste soll nächste Woche im Bundeskanzleramt übergeben werden.  (dpa/ta)

 

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