Luise Nomayo (Parkstein/Bayern) an den Bundeskanzler

16.03.03

 

Herrn
Bundeskanzler Schröder
Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Straße 1

10557 Berlin

 

Betr.: „Tag der Wahrheit"

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Schröder!

Wie ich gerade über das Fernsehprogramm mitverfolgen konnte, kündete Präsident Bush für morgen, Montag, 17.03.03, den „Tag der Wahrheit" an!

Dabei ging es wohl nicht darum, dass er, Blair oder Aznar nun endlich stichhaltige Beweise für alle Unterstellungen und Behauptungen gegenüber dem Irak auf den Tisch legen werden, sondern es ist vielmehr ein Ultimatum an die Mitglieder der UN, der Kriegserklärung bedingungslos beizutreten.

Ich halte diese Aufforderung mit dem Hinweis, dass andernfalls die Stabilität und die Autorität der UN geschädigt würden, für den Versuch einer Erpressung und eines Beispiels despotischer Arroganz und Vermessenheit!

Es ging heute gar nicht mehr darum, ob der Irak seine Verpflichtungen aus der Resolution 1441 erfülle, ob dafür noch Zeit eingeräumt werden könne, was H. Blix in seinem vorzulegenden Bericht feststellt, es ging lediglich darum, die UN zum Kriegseinverständnis zu zwingen!

Sie, Herr Bundeskanzler, haben sich einem Krieg verweigert und eine deutsche Beteiligung daran ausgeschlossen.

Ich unterstütze diese Entscheidung und Haltung!

Nur, ab morgen „wird zurück geschossen", auf den Irak!

Wer „nein" sagt, wer abwägt und die Kriegsfolgen an der Zivilbevölkerung, das Leid und Chaos danach und einen möglichen, ausgelösten politischen Flächenbrand beschrieben hat, wie Sie es bisher taten, der darf nicht inkonsequent ein solches Verbrechen unterstützen.

Ich fordere Sie daher auf, endlich

  • Überflugrechte der USA, Britanniens und Spaniens über deutsches Staatsgebiet zu untersagen;
  • Fuchs und Flotte aus der Aufmarschregion sofort zurückzuholen;
  • die Bundeswehr, welche derzeit Bewachungsaufgaben wahrnimmt, von den US-TÜPen und US-Einrichtungen abzuziehen,
  • die Nutzung der US-Standorte durch die US-Army insoweit zu unterbinden, als die überlassenen Standorte der Vorbereitung, Unterstützung und Beteiligung von US-Angriffskriegen dienen, hier insbesondere dem Irakkrieg!

Wenn Ihre „Nein-zum-Krieg"-Haltung glaubwürdig bleiben soll, wenn Sie verhindern wollen, dass sich 80 Millionen Deutsche dafür schämen müssten, an einer erneuten Beteiligung und/oder Unterstützung Deutschlands an einem verbrecherischen Angriffskrieg beteiligt zu sein, dann handeln Sie bitte jetzt schnell und konsequent. Setzen Sie bitte damit ein Signal, auch für andere europäische Regierungen, - ein eindeutiges Zeichen, wie im Vorjahr, da Sie, als erster Regierungsrepräsentant, Ihr „Nein" zum Irakkrieg formulierten!

Bitte zögern Sie nicht, es steht für die Menschen im Irak, für die anderen Staaten in der Region, aber auch für unsere eigene, deutsche Zukunft sehr viel auf dem Spiel.

Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts,

in diesem Sinne hoffe ich auf Ihre mutigen Entscheidungen!

Mit freundlichem Gruß

Luise Nomayo

 

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