Groß Pankower Appell

 

 

Offener Brief an den Bundesminister der Verteidigung, Herrn Dr. Peter Struck

Sehr geehrter Herr Minister Struck,

die Gemeindevertretung der Gemeinde Groß Pankow (Prignitz) hat in ihrer konstituierenden Sitzung am 20.11.2003 die durch Ihr Haus beabsichtigte militärische Nutzung der Wittstocker Heide erörtert.

Die Gemeindevertretung vertritt den Standpunkt, dass eine militärische Nutzung durch die Lärm- und Umweltbelastung unserer Region vielfältigen Schaden bringt.
Die bisher bekannt gewordenen Flugzeiten werden bewirken, dass bei Schönwetter Dutzende von Flugbewegungen pro Stunde eine massive Lärmbelästigung verursachen.

Daran erinnern sich viele Bürger, welche die Nutzung durch sowjetische Flugzeuge im Ohr haben.

Der aufkeimende Tourismus wäre wieder erledigt, wenn Beherbungsbetriebe im Kleingedruckten zur Abwendung von Regressansprüchen auf den Fluglärm hinweisen müssten.

Die zu erwartende Kerosinbelastung hat schon jetzt dazu geführt, dass Abnahmeverträge von Bioprodukten gekündigt wurden.

Den in Aussicht gestellten cirka 200 Arbeitsplätzen durch das Bombodrom stehen viel größere Zahlen von Existenzvernichtungen, weitere Abwanderung und durch massive Verringerung der Lebensqualität die Unmöglichkeit weiterer Ansiedlungen entgegen.

Die Menschen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben mit viel Mut und Engagement begonnen, ihre Heimat liebens- und lebenswert zu gestalten.

Sollte jedoch die Wittstocker Heide militärisch genutzt werden, ist das eine schallende Ohrfeige für all jene, die mit großer Opferbereitschaft, persönlichem finanziellen Risiko und bürgerschaftlichem Engagement die wirtschaftliche und touristische Entwicklung in unserer Region vorangetrieben haben.

Wir fühlen uns verraten und verkauft, da durch Ihr Haus wesentliche Fakten und Folgen der Tiefflugzone den davon Betroffenen nicht voll umfänglich mitgeteilt werden.

Wir unterstützen daher alle demokratisch legitimen Initiativen, die sich gegen eine beabsichtigte militärische Nutzung der Heide zur Wehr setzen.

Wir rufen daher, alle Gemeindevertretungen, Stadtverordnetenversammlungen und Kreistage auf, sich diesem Protest anzuschließen und sich in ihren Gremien für eine friedliche Nutzung der Wittstocker Heide auszusprechen.

gez. Brandt                                                                  gez. v. Barsewisch
Thomas Brandt                                                            Prof. Dr. Bernhard v. Barsewisch

Bürgermeister                                                              Vorsitzender der Gemeindevertretung

 

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